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| © Radost FX |
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as Kopfsteinplaster ist brüchig, und die Jugendstil-Fassaden
warten noch immer auf ihren ersten Anstrich. Zizkov auf der
"Kleinen Seite" von Prag sieht gelinde gesagt etwas vernachlässigt
aus. Trotzdem gilt der einstige Arbeiterbezirk bei den Jungen
und Kreativen der Tschechen-Metropole zurzeit als erste Adresse.
Aber so ist das nun mal mit Szenevierteln. Es braucht Pioniergeist
und Fantasie, um sie zu entdecken.
Ein bisschen erinnert Zizkov an den Prenzlauer Berg als das
Berliner Trendviertel noch nicht chic und saniert war. Ein
bisschen weht der Geist von St. Pauli. Mit dem Hamburger Kiez
hat der Prager Stadtteil nicht nur die Leidenschaft für hemdsärmeligen
Fußball gemeinsam. Viktoria Zizkov heißt der Erstliga-Club.
Die Anlage ist schäbig, die Stimmung dafür umso besser. Nach
Zizkov kommt, wer richtig feiern will. Denn nirgends in der
Stadt gibt es mehr Kneipen als hier. Allein in der rund 800
Meter langen Boøivojova buhlen mehr als 20 Pinten um durstige
Kunden. Sie heißen "zum ausgeschossenen Auge" oder "zum Ring",
sind urig-düster wie und eh und je und jede ein echtes Original.
Oft geht das Bier hier noch für weniger als einen halben
Euro über den Tresen. Das ist auch gut so, denn die Nächte
sind lang und das Publikum trinkfest.
Wer nach hippen Bars und szenigen Lounges sucht, ist in Zizkov
an der falschen Adresse. Einzige Ausnahme: das Palac Akropolis,
der zurzeit angesagteste Club des Viertels. Er genießt nicht
nur bei den Pragern Kultstatus, sondern ist auch über die
Landesgrenzen hinaus bekannt. Zum einen, weil hier schon Bands
wie die Strokes und die Toten Hosen gespielt haben. Zum anderen,
weil er Prager Nachwuchsbands eine Bühne bietet. Wenn gerade
keine Band auf der Bühne steht, dröhnt Reagge, Dub und Hip-Hop
aus den Boxen.
Wer genug hat vom düster derben Charme Zizkovs
kehrt zurück auf die andere, größere Seite der Moldau und
geht zum Beispiel ins Roxy, den innovativsten Club der
Stadt. In den Räumen des ehemaligen Jüdischen Gemeindezentrums
experimentieren internationale DJs mit Elektro-Sound und allerlei
anderen Klängen. Wer will, kann sich dazu schräge Filme junger
Macher angucken oder bei House-, Jungle- und Techno-Musik
abtanzen. Manchmal gibt es auch Theateraufführungen und Kunstausstellungen.
Ähnlich gut tanzbar mit ihrer Mischung aus House und Techno
sind nur die Clubs Mecca und das Radost FX. Letzterer wurde
1992 von einem US-Amerikaner gegründet und steht besonders
bei jungen Amerikanern hoch im Kurs, die Prag in den 90er
Jahren als das neue Paris für sich entdeckt haben. 40000!
leben mittlerweile in der Goldenen Stadt und tragen nicht
wenig zur Szenekultur und Partyatmosphäre der 1,4-Millonen-Metropole
bei. Das Radost ist vieles in einem: Diskothek und Cocktail-Bar,
Elektro-Lounge und Kunstgalerie. Berühmt ist es vor allem
für seine abgefahrene Deko, die alle paar Monate wechselt,
mal Jugendstil, mal Science-Fiction-Look. Wer will, tanzt
hier bis zum nächsten morgen, und wer sich gar nicht trennen
kann: im angeschlossenen Cafe gibt's hervorragendes vegetarisches
Frühstück. Eine gute Basis für die nächste Partynacht.
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